Bienenkönnigen zusetzen
Es gibt verschiedene Methoden, um Königinnen erfolgreich zuzusetzen. Im Laufe der imkerlichen Praxis entwickelt jede Imkerin und jeder Imker eigene bevorzugte Vorgehensweisen, die sich für die individuellen Betriebsweisen und Völkerstrukturen am besten bewährt haben. Im Folgenden stelle ich zunächst meine bevorzugte Methode vor: das Zusetzen mittels einer Zweitschlupfzelle.

Zweitschlupfzelle
Die Zweitschlupfzelle dient als künstliche Nachbildung einer Weiselzelle und ermöglicht das sichere Zusetzen einer neuen Königin in ein bestehendes Volk – unabhängig davon, ob dieses offene oder bereits verdeckelte Brut besitzt. In der Praxis zeigt sich, dass Königinnen, die selbstständig in ihr neues Volk schlüpfen, in der Regel sehr zuverlässig angenommen werden.
Eine Zweitschlupfzelle besteht aus einer kleinen Kapsel mit einer unteren Öffnung sowie einem verschließbaren Deckel an der Oberseite. Die untere Öffnung wird mit einem Stück Mittelwand verschlossen, in das von innen mithilfe eines Zahnstochers ein kleines Loch gestochen wird. Anschließend lässt man die Königin über ein Abfangrohr in die Kapsel einlaufen und verschließt den Deckel. Die Königin öffnet die präparierte Mittelwand mit ihrem Mundwerkzeug innerhalb weniger Minuten und gelangt so selbstständig in das Volk.
Damit die Annahme optimal verläuft, sollte das Volk vorbereitet werden. Ich persönlich entnehme die alte Königin einen Tag vor dem Zusetzen, sodass sich das Volk auf die Weisellosigkeit einstellen kann. In dieser Phase beginnen die Bienen meist mit dem Anlegen von Nachschaffungszellen. Am Folgetag drücke ich die Zweitschlupfzelle mit der neuen Königin in eine dieser von den Bienen vorbereiteten Nachschaffungszellen. Die künstliche Weiselzelle bestreiche ich zusätzlich mit etwas Honig, um einen sofortigen Kontakt zwischen Bienen und Königin zu fördern. Die Königin streckt dabei ihren Rüssel durch das zuvor eingestochene Loch, was die Annahme weiter unterstützt. Ich habe diese Methode über mehrere Jahre hinweg intensiv getestet und zahlreiche Königinnen auf diese Weise zugesetzt. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Königinnen erfolgreich angenommen. Ein kurzes Video zum Präparieren einer Zweitschlupfzelle sowie zum Zusetzen der Königin findest du auf meinem Instagram-Kanal:

Wenn eine neu zugesetzte Königin vom Volk nicht angenommen wird, kann dies verschiedene Ursachen haben. Häufig liegen die Gründe im Zeitpunkt oder in der Art des Zusetzens. Hat sich das Volk beispielsweise noch nicht ausreichend auf die Weisellosigkeit eingestellt, befindet sich noch eine Königin im Volk oder existieren bereits weiter entwickelte Nachschaffungs- oder Schwarmzellen, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Annahme deutlich. In solchen Situationen fällt es einer jungen Königin schwer, sich zu behaupten, und sie wird abgestochen. Auch die Königin selbst kann der Auslöser für eine Ablehnung sein. Ist sie krank, geschwächt oder unzureichend begattet, erkennen die Bienen dies sehr schnell. Besonders in Völkern ohne offene Brut kann es vorkommen, dass die Bienen die neue Königin zunächst stiften lassen, um sich anschließend aus den frisch geschlüpften Larven eine eigene Königin nachzuziehen. Das Volk entscheidet in diesem Fall bewusst gegen die zugesetzte Königin, weil es deren Eignung infrage stellt. Für Imkerinnen und Imker ist es verständlicherweise frustrierend, wenn eine sorgfältig ausgewählte oder sogar teuer erworbene Königin nicht angenommen wird. Dennoch sollten wir nicht vergessen, dass ein Bienenvolk ein hochkomplexer Superorganismus ist, der seine Entscheidungen stets im Sinne des langfristigen Überlebens trifft. Wenn ein Volk eine Königin ablehnt, geschieht dies nicht willkürlich, sondern basiert auf biologischen und sozialen Mechanismen, die wir respektieren müssen.
Königinnen mittels eines Kunstschwarmes zusetzen
Eine weitere, sehr zuverlässige Methode, um Königinnen mit Bienen zu einem neuen Volk zu vereinen, ist die Bildung eines Kunstschwarms. Dabei werden junge Bienen aus den Honigräumen mehrerer Völker in einen Schwarmkorb abgefegt und anschließend in einen Ablegerkasten mit Futter und Mittelwänden eingeschlagen. Die neue Königin wird im Versandkäfig zwischen die Rähmchen gehängt.
Da sich im Ablegerkasten keine Brut befindet, würden die Bienen den Kasten ohne Bindung zur Königin verlassen, während die Königin im Käfig zurückbliebe. Um dies zu verhindern, wird die Einheit für mindestens einen, besser zwei Tage kühl und dunkel gestellt. In dieser Zeit schließen sich die Bienen der neuen Königin an und entwickeln ein gemeinsames Volksempfinden. Die Kunstschwarmmethode eignet sich zudem hervorragend, um unbegattete Königinnen zuzusetzen, da die Bienen in dieser Phase besonders aufnahmebereit sind. Eine kontinuierliche Fütterung ist dabei unerlässlich, um den Aufbau des neuen Volkes sicherzustellen.

Königinnen durch einen Brutableger zusetzen
Königin in ein Wirtschaftsvolk mittels eines Versandkäfigs zusetzen
Bevor eine neue Königin zugesetzt wird, ist unbedingt darauf zu achten, dass keine offene Brut mehr vorhanden ist und alle Nachschaffungszellen vollständig gebrochen wurden. Erst dann wird der Versandkäfig mit der Königin zwischen zwei Brutwaben eingehängt. Auch bei dieser Methode gilt: In den folgenden fünf bis sieben Tagen darf das Volk nicht geöffnet werden, um die Annahme der Königin nicht zu gefährden.
Wer eine Königin per Post erhält, sollte berücksichtigen, dass sowohl die Königin als auch die Begleitbienen während des Transports erheblichem Stress ausgesetzt sind. Es empfiehlt sich daher, den Versandkäfig zunächst in einer dunklen Box ruhen zu lassen. Ein mit Wasser befeuchtetes Küchentuch wird so in die Box gelegt, dass es am Lüftungsgitter des Versandkäfigs anliegt. Die Bienen können über das Gitter mit ihrem Rüssel Wasser aufnehmen, ohne dass der Käfig geöffnet werden muss. Gleichzeitig muss die Box, etwa ein Schuhkarton oder eine kleine Kunststoffbox, ausreichend Luftzufuhr gewährleisten.
Diese kleine Einheit kann ein bis zwei Stunden in der Dunkelheit verbleiben, um sich zu beruhigen und zu erholen. Vor dem Zusetzen sollte der Versandkäfig sorgfältig kontrolliert werden:
- Ist noch genügend Futterteig vorhanden?
- Ist der Futterteig möglicherweise ausgehärtet?
- Blockieren tote Begleitbienen die Öffnung zum Futterteig?
Falls nötig, müssen tote Bienen entfernt, Futterteig ergänzt oder frischer Futterteig in die Öffnung gedrückt werden. Erst nach dieser Kontrolle und einer kurzen Erholungsphase sollte die Königin dem Volk zugesetzt werden.

Wann ist die beste Zeit um Königinnen zu zusetzen?
Früher orientierten sich viele Imkerinnen und Imker an den Monaten mit der Endung „r“. Von September bis Februar galt als ideale Zeit, um Wirtschaftsvölker problemlos umzuweiseln. In dieser Jahresphase sind in der Regel kaum noch Drohnen unterwegs, sodass keine Gefahr besteht, dass eine junge Königin unkontrolliert begattet wird oder sich unbegattete Königinnen im Volk behaupten. Es gibt jedoch Ausnahmen. Jahre mit einem langen, kalten und regnerischen Frühjahr – wie beispielsweise 2021 – führen häufig zu schwachen Begattungsergebnissen. In solchen Situationen bleiben Drohnen länger im Volk, teilweise sogar bis in den Oktober hinein. Dadurch verschiebt sich die übliche Drohnenfreiheit, was bei der Planung von Umweiselungen berücksichtigt werden sollte.
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass selbst eine späte Umweiselung Ende Oktober erfolgreich verlaufen kann. In diesen Fällen habe ich die alte Königin entnommen und unmittelbar danach die neue Königin zugesetzt – mit guten Ergebnissen. Entscheidend ist stets, den Zustand des Volkes, die Drohnensituation und die Jahresbedingungen sorgfältig zu beurteilen.

Unterschied zwischen dem Zusetzen von unbegatteten Königinnen und begatteten Königinnen
Im Bienenvolk kommunizieren Königin, Drohnen und Arbeiterinnen über eine Vielzahl unterschiedlicher Pheromone, die den sozialen Zusammenhalt und die Organisation des Volkes steuern. Die Königin besitzt dabei einen charakteristischen Eigengeruch und produziert zusätzlich ein öliges Sekret aus ihren Mandibeldrüsen – die sogenannte Königinnensubstanz. Dieses Pheromon spielt eine zentrale Rolle für die Stabilität des Volkes und die Hemmung der Ovarienentwicklung der Arbeiterinnen.
Unbegatteten Königinnen fehlt diese Königinnensubstanz zunächst vollständig. Aus diesem Grund werden sie von Wirtschaftsvölkern meist nicht als vollwertige Königin akzeptiert und häufig abgestochen. Daher empfiehlt es sich, unbegattete Königinnen ausschließlich in einem Kunstschwarm mit jungen Bienen verschiedener Völker zuzusetzen, die keine feste Bindung an eine bestehende Königin mehr besitzen.
Auch frisch begattete Königinnen benötigen Zeit, um ihre volle Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Nach dem Begattungsflug kann es mehrere Tage dauern, bis sie mit der Eiablage beginnen und ein stabiles Legeverhalten zeigen. In dieser Phase wirken sie oft noch unruhig auf den Waben, und die Königinnensubstanz ist noch nicht vollständig ausgeprägt. Wird eine solche Königin zu früh in ein starkes Wirtschaftsvolk gegeben, steigt das Risiko, dass sie nicht angenommen wird. Um diese empfindliche Entwicklungsphase zu schützen, bevorzuge ich persönlich Begattungseinheiten in der Größe eines Mini Plus, da sie der jungen Königin Ruhe und optimale Bedingungen bieten.
Begattete Königinnen, die bereits drei bis vier Wochen in Eiablage sind, zeigen hingegen eine ausgeprägte Wabenstetigkeit. Ihre Pheromonproduktion ist weitestgehend stabil, und die Arbeiterinnen haben sich an ihren Geruch gewöhnt. In dieser Phase ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Annahme deutlich höher, da sich im Volk bereits ein harmonisches Zusammenspiel etabliert hat. All diese Hinweise basieren auf Erfahrungen, Beobachtungen und bewährten Vorgehensweisen. Sie können die Annahme einer Königin erleichtern, bieten jedoch keine absolute Erfolgsgarantie – dafür ist ein Bienenvolk ein zu komplexer und dynamischer Organismus.